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Tafelbild, Spätwerk
In den Staffeleibildern der Nachkriegszeit, die der Öffentlichkeit
kaum bekannt sind, schafft Eisenmenger eine durchgeistigte Kunst, die
von Freude an Experiment und Farbe zeugt. Das Hauptthema ist wieder die
Begegnung von Menschen bzw. die Darstellung von Emotionen. Für diese
Entwicklung waren der Gesinnung nach vor allem die Künstler des Symbolismus
maßgebend. Der Ausführung nach ist diese Periode von Piero
della Francesca und der byzantinischen Kunst beeinflußt, wobei die
Parallelen im betonten Vertikalismus, in der geringen Bewegtheit der Figuren
– fast statisch – und in den geschlossen wirkenden Umrißlinien
der Körper offenkundig werden.
A. P. Gütersloh schreibt in seiner Abhandlung "Moderne Kunst
– Versöhnliches und Boshaftes zum Streit der Richtungen",
daß "…Eisenmenger, der die Fülle
seiner korrekten Modellerfahrungen diesmal ins Sieb des Dekorativen schüttelt,
mit dem paradoxen Erfolg, daß das, was durch die kleinen Löcher
fällt, das Große ist. Anders gesagt: Stil beziehungsweise Monumentalität
entsteht, wenn ein Rest des Ganzen genügt, das Ganze zu beschwören…".
Damit verweist Gütersloh mit wenigen Worten auf die neuen Wege, die
sich im Schaffen R. H. Eisenmengers abzeichnen. Die Beziehung zur Künstlergruppe
des Symbolismus ist im Ausdruck von imaginären Visionen zu deuten.
Die symboltragenden Elemente sind hiebei nicht nur die Figuren in ihren
statischen Kompositionen, sondern es wird auch häufig die Landschaft
in diese Atmosphäre, dem Stellenwert ihrer Bedeutung nach, miteinbezogen.
Die Werke dieser Zeit zeichnen sich durch ihren Symbolgehalt aus, so
z.B. in "Präludium", das dem Gang ins Leben gewidmet ist.
Die Haltung, liebevolle Zuneigung, die Gestik der Hände sind sprechende
Elemente, die für das gesamte Œuvre nach dem Weltkrieg charakteristisch
sind. Desgleichen die Engelsdarstellungen als Anspielungen auf die Künstler
der Renaissance, die symbolistischen Darstellungen des auslaufenden 19.
Jahrhunderts, die Darstellung übersinnlicher Mächte. Die Engel
Eisenmengers stellen "Seelen" dar, die in seiner Gedankenwelt
den Menschen begleiten und beschützen. Bilder wie "Schlafender
Engel" sind auch ein beredtes Beispiel für den diesen Werken
immanenten Mystizismus.
In der Folge tritt auch immer mehr das religiöse Element ins Blickfeld,
wobei insbesonders in "Christus und die Schmetterlinge" das
Passionsthema neu formuliert wird. Wie auch in seiner "Verkündigung"
eine neue ikonographische Darstellung eines tradierten Themas vorliegt.
Gerade in diesem tief religiösen Werk gelingt R. H. Eisenmenger der
Beweis, daß mit neuentwickelten Symbolen zum neuzeitlich geformten,
jedoch im Kern alten religiösen Werk vorgedrungen werden kann.
Als Synthese dieser Religiosität und den dennoch latent existierenden
Zweifeln steht schließlich in "Der Rufer" ("Der Letzte",
"Moses") der einzige remanente Mensch mit zerfurchtem, fahlen
Antlitz, von Schrecken gezeichnet und hält in abwehrender Gestik
Zwiesprache mit dem Herrn. Eisenmenger zeigt damit die Konfrontation zwischen
weltlicher Destruktionsmaschinerie und der Symbolik der Bibel. Die überaus
expressive Farbsprache, der Einsatz von Komplementärkontrasten, die
einfache, monolithische Figur, die weit über den Horizont ragt, zeugen
von einer Intensität, wie sie nur ein Künstler, der immer wieder
von diesem Thema emotionell aufgewühlt wurde, gestalten kann.
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